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#062 – Von Svinafell nach Vik i Myrdal, Radeln, Wandern, Wetter Aussitzen

28. bis 30. Mai 2026: Von Kirkjubæjarklaustur nach Vik i Myrdal, zwei Ruhetage im Sturm

Heute ist Regen angesagt. Ich will mich trotzdem auf den Weg nach Vik machen. Beim Frühstück lerne ich Liv aus Hamburg kennen. Sie hat gerade ein Auslandssemester an der Uni Akureyri hinter sich.

Die kleine Wanderrunde um Kirkjubæjarklaustur zum Schwesternwasserfall und dem Kirchenpflaster lockt mich nicht und ich mache mich auf den Weg.

Siebzig Kilometer Einöde. Das Wetter wird zunehmend schlechter. Mehr Regen und mehr Wind. Der allerdings schiebt mich. Kurz vor Vik, in meinem linken Stiefel steht mittlerweile Wasser, treffe ich auf einen Radler. Er will in die Gegenrichtung. Keine Chance. Es stürmt zu sehr. Schon das Stehen im böigen Wind bereitet Mühe. Der Radler will ein Auto anhalten.

In Vik gehe ich zum Aufwärmen erstmal Kaffee trinken, dann in den Supermarkt. Es schüttet aus allen Eimern. Auf dem Campingplatz kann ich mich im Gemeinschaftshaus in Sicherheit bringen.

Ich checke ein und baue mein Zelt an einer etwas windgeschützten Stelle auf. Die Zeltwiese liegt abseits am Berg. Die ganzen Campervans und Autos stehen dicht an dicht auf dem Platz. Ich stelle fest, wie schon im Café und Supermarkt: Der Tourismuswahnsinn erreicht hier ein neues Level.

In einer völlig anderen, mich positiv beeindruckenden Richtung wiederholt sich das später, als ein Franzose sein Zelt neben meinem aufbaut, der in dieser Jahreszeit durchs Hochland queren wollte und in der Mitte wegen der Schneemassen aufgeben musste. Mir reichte schon das Wetter an der Küstenstraße.

Höchste Zeit für eine warme Dusche. Welch ein Hochgenuss! Das Leben hat mich zurück. Luisa und José aus Albaceite, die den Platz bewirtschaften, sind sehr hilfsbereit. Ich kann meine Sachen in einem Trockenraum aufhängen. Es gibt sogar eine Stiefeltrockner.

Sturm und Regen halten an und ich schlaf im durchgerüttelten Zelt ein.

Auch an den nächsten beiden Tagen ist das Wetter, wie vorhergesagt, bescheiden. Regen und stürmischer Wind. Ich bleibe. Freitag nachmittags lässt der Regen etwas nach. Ich gehe zu einem Souvenirladen, der auch Bücher hat. Einen neuen eBookreader, meiner hat den Geist aufgegeben, gibt es jedoch nur in Reykjavik.

Ich schaue mir auch den großen Outdoorladen an. Neunzig Prozent ist Bekleidung, vor allem Wolle. Für Ausrüstung gibt es eine kleine Ecke. Isomatten gibt es immerhin drei verschiedene Modelle. Brauche ich aber zum Glück nicht.

Ich gehe noch essen und trinke eine heiße Schokolade. Das Highlight des Tages.

Fotos gibt es wegen Wetter keine.

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