top of page

#033 - Georgien (Teil 1, von Aparçay TR, nach Batumi)

11. Juli 2025: Von Utkisubani bis Kveda

Zehn Kilometer und vierhundert Hühenmeter sind es noch bis zum Goderdzi-Pass auf 2025 Metern Höhe. Vorher komme ich noch durch ein Dorf mit vielen, versprengt liegenden, schönen, alten Häusern. Der Pass dagegen hat einen Charme, der eher Richtung Tristesse lappt.

Die Abfahrt ist erst schnell auf Asphalt. Dann folgen einige Kilometer Baustelle, holprig, staubig, viele LKW. Im Flachen wäre ich nicht langsamer. An der schlimmsten Stelle, steil und alle drängen über eine Spur, begegnet mir ein radelndes Paar aus Nürnberg. Sympathische Begegnung mitten im Verkehrslärm und Baustellenstaub.

Am Ende des steileren Teils der Abfahrt, auf rund tausend Meter Höhe - um zu vermeiden, dass meine Hinterradbremse blockiert - hab ich ausschließlich vorne gebremst. Jetzt blockiert die Bremse zur Abwechslung mal vorne. Ich komme in einem flachen Abschnitt nur ein paar Meter weit bis zu einem kleinen Lädchen.

Dort bau ich das Gepäck ab und das Vorderrad aus. Die Schraube, die die Bremsbeläge hält, bewegt sich keinen Deut. Dafür verbiegt sich der Inbusschlüssel. Kriechöl - seit Doğubayazıt schleppe ich ne 500-Grammdose mit - hilft nicht weiter. Eine Sechsjährige in pinkem Hosenanzug guckt neugierig zu. Ein Alter kommt dazu und textet mich zu. Keine Hilfe. Dafür spendiert er mir nen Energydrink. Ich frag im Laden nach nem Dreier-Hexagon-Schlüssel. Leider kein Ergebnis. Ein netter Typ mit Fahne schickt mich nach Khulo. Etwa drei Kilometer.

Mit Mühe und nem Reifenheber bekomme ich die Bremsbacken so weit auseinander, dass ich weiterfahren kann. Natürlich geht es nach Khulo ordentlich bergauf. Ich bin gefrustet und verstehe nicht, warum das Leben so ungnädig mit mir ist. Wenn jemand anderem so was Blödes passieren würde, meine Schadenfreude stünde in den Startlöchern. Das zeigt mir, dass sich bei meinem Umgang mit Problemen noch einiges lösen darf.

Irgendwie bin ich auch etwas neugierig auf die Lösung. Schließlich kann die Malaise ja unmöglich ewig andauern. Ein Reisemotorrad kommt mir entgegen. Ich winke und ein junges, russisches Paar hält an. Und sie haben einen Bitsatz, schön rostig. Im Bruchteil einer Sekunde ist die Schraube gelöst. Ich fahre noch nach Khulo, wechsle den Bremsbelag und versorge meinen Hunger mit meinem ersten Khachapuri, Teigwaren mit Käse gefüllt. Voller Bauch und das Rad rollt wieder wie ne eins.

Leider nimmt der Verkehr zu. Ich schaffe talabwärts noch über fünfzig Kilometer und zelte am Flussufer.

bottom of page