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#065 – Westfjorde, erster Teil - von Buðardalur nach Ísafjörður

17. Juni 2026: Vom Dynjandi-Wasserfall nach Isafjörður

Meine Nacht war ruhig. Doch früh morgens bekomme ich Besuch: ein Kreuzfahrtschiff, zum Glück nur mittelgroß, tuckert in den Fjord. Leute werden mit Schlauchbooten an Land gebracht. Ich baue, es windet schon wieder ordentlich, mein Zelt ab. Kurzer Schwatz mit Jan, Guide auf dem Schiff, Australier, lebt in Holland, hat sechs Jahre Radtour um die Welt hinter sich.

Wegen des Windes verzichte ich auf den nächsten Berg und fahre durch den Tunnel direkt nach Isafjörður. Sechzig Kilometer mehr oder weniger bei Gegenwind. Auch die nächsten Tage soll es so bleiben. Kalt ist es auch. Also Handschuhe an.

Der stürmische und launische Wind gibt mir die Möglichkeit, meine Windskills auf dem Fahrrad zu trainieren. Kämpfen nutzt gar nichts. Aus dem nichts kommt manchmal eine krasse Böe von vorn. Am besten anhalten und warten, bis sie verflogen ist. So bekomme ich bergauf jede Menge kleine Pausen.

Kommt der Wind von der Seite, die übelste Variante, schaffe ich es manchmal nicht, auf dem drei Meter breiten Fahrstreifen zu bleiben. Mich in den Wind reinlegen, mit voller Kraft Gegenlenken, oder in die Eisen gehen und breitbeinig zum Stehen kommen - so die wesentlichen Optionen. Und natürlich immer nett und freundlich bleiben zu meinem neuen Freund.

Er hat noch zwei weitere Eigenschaften, die ich sehr schätze. Solange er nicht mit Regen verbunden ist, trocknet alles supi schnell. Und bläst er nicht ganz so brutal, ist er eine nette Erfrischung, die mich auch als Gegenwind überhaupt nicht juckt.

Zum Glück ist auch heute wenig Verkehr. Doch ständig überholen mich oder begegnen mir Busse. Wen karren die den rum? Mein Verdacht bestätigt sich später: im Hafen von Ísafjörður liegt ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Und die Gäste wollen alle den Wasserfall gucken, zu dessen Füßen ich gezeltet habe.

Zwei Tunnel stehen heute auf der Tagesordnung, beide ganz angenehm zu fahren. Wenige Autos. Manchmal ist es ganz still im Bauch von Island. Die Luft gut. Keine dröhnenden Turbinen. Und: kein Wind! Man soll Freundschaften ja nicht überstrapazieren.

Auf den Flachstücken entlang der Fjorde hab ich sogar Rückenwind. Das saust! Auch ohne treten. Das macht nur ein wahrer Freund.

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