#062 – Von Svinafell nach Vik i Myrdal, Radeln, Wandern, Wetter Aussitzen
23. bis 30. Mai 2026: Ich mache wunderbare Wanderungen im Skaftafell-Nationalpark und in den Lakigigar-Lavafeldern. Zwei Tage verbringe ich auf dem Rad, vier legen mich Regen und Sturm lahm.
22. bis 25. Mai 2026: Ruhe- und Wandertage in Svinafell und dem Skaftafell-Nationalpark
Freitag: Ruhetag - wenn ich unterwegs bin, freue ich mich drauf. Ausschlafen, Entspannen, Nichtstun, in Ruhe anstehende Dinge Erledigen, Fotos Sichten, meine Internetseite Aktualisieren.
Doch ist es dann soweit, bin ich unruhig, nervös, komme nicht in einen Genussmodus. So auch heute. Aber nicht ganz so krass wie sonst, nicht so überschwemmend und von Hilflosigkeit geprägt. Das ermöglicht es mir, genauer hinzuspüren, wahrzunehmen, wie es sich genau anfühlt.
Unruhig. Einfach nur zu sein, ist gefährlich. Eine innere Stimme sagt: Mach was! Nur was? Keine Ahnung! Aber nur zu sein ist gefährlich. Verdammnis droht. Seltsam, die Gefahr bleibt im Dunkeln. Aktuell ist sie nicht, sondern alt, sehr alt und tief sitzend.
Ich fülle meinen Tag mit Fotos Sichten und auf den Computer Laden, meine Internetseite Aktualisieren und Wäsche Waschen. Außerdem versuche ich meine Isomatte, die Luft verliert, zu reparieren. Doch ich finde das Loch nicht. Ich verabschiede mich von Thomas und Leo, die mit dem Bus nach Reykjavik fahren. Und schon ist der Tag rum.
Samstag: Spät am Vorabend ist noch Markus, der nächste Radler angekommen. Wir unterhalten uns angeregt. Ich lerne Tomasz aus Warschau kennen, der hier als Tourguide arbeitet, und Marie aus Frankreich mit ihrer kleinen Tochter Lola auf dem Arm.
Ich radle ein paar Kilometer nach Skaftafell und wandere den ganzen Tag durch den Nationalpark. Über das riesige, karge Sanderfeld des Morsárjökull. Durch liebliche Birkenwälder. Ich wate barfuß zehn Meter durch einen seichten Fluss. Klar, dass ich heute meine Trekkingsandalen nicht dabei habe, im Gegensatz zu zwei anderen Wanderungen mit Furtungen, wo ich sie gar nicht brauchte.
So muss ich barfuß durch. Das mag ich gar nicht. Der Schmerz an den Fußsohlen geht durch Mark und Bein. Eine Gruppe mit zehn Leuten begegnet mir. Ansonsten bin ich drei Stunden alleine unterwegs. Es tröpfelt immer wieder. Beim Svartifoss ist mehr los.
Danach, beim Weg zum Aussichtspunkt Sjónurnipa ist es wieder leer. Dort war ich 2004 schon mal und bin auch auf den Kristinatindur gestiegen, der jetzt gesperrt ist. Der Skaftafelljökull liegt zu meinen Füßen.
Auf dem Rückweg kehre ich an der Tanke ein und esse Lammsteaks. Die Sonne kommt kurz raus. Als ich am Zeltplatz ankomme, fängt es ordentlich an zu regnen.
Sonntag: Heute steht vor allem Nichtstun auf dem Plan. Das Wetter passt dazu: heftige Regenschauer, teils mit Hagel. Meine Isomatte muss ich auch reparieren. Ich stelle fest, dass ich viel entspannter geworden bin mit Aufgaben, die ein gewisses Risiko bergen zu misslingen. Ich recherchiere in Ruhe, schreibe dem Hersteller eine Email und mach mich ohne Stress an die Arbeit. Wird sie nicht dicht, komme ich auch ne Weile mit der kaputten klar und kaufe mir bei Gelegenheit ne neue.
(Pfingst-)Montag: Yeah, meine Isomatte ist dicht und auch morgens noch schön prall. Nicht selbstverständlich. Bin schon mal gescheitert beim Flicken, 2019 im Iran.
Dafür hab ich jetzt Rückenschmerzen. Muskuläre Verspannung rechtsseitig über dem Beckenkamm. So humple ich etwas durch die Gegend. Spür auch mal tiefer rein. Es gelingt mir, etwas weicher und annehmender zu werden. Die Stelle sehnt sich nach Wärme. Gut so für den Moment.
Im Gemeinschaftshaus treffe ich Tomasz wieder. Wir verquatschen den Vormittag, recht persönlich und lebensphilosophisch.
Es schüttet tagsüber ordentlich. Abends kommt die Sonne raus. Es wird warm. Ich kann draußen sitzen und essen. Zwei nette Jungs aus Minnesota kommen mit ihren Gravelrädern an. Ihre erste Tour gleich Island - alle Achtung.
Wir treffen uns am Abend zum Bier in einer urigen Bar neben dem ehemaligen Kartoffellager und haben einen unterhaltsamen und lustigen Abend. Ich gönne mir zwei IPA à 0,4 Liter, frisch gekauft, rund elf Euro. Ich komme mit dem Wirtspaar ins Gespräch, er stammt aus Deutschland und gibt mir gute Tipps für isländische Literatur.


























