#058 - Deutschland und Dänemark
Von Bremen zum Fährhafen Hirtshals
30. April 2026: Von Bremen nach Hodorf
Es ist soweit: eine neue Episode meiner Weltreise beginnt und ich bin wieder im Sattel unterwegs. Vier sehr entspannte Monate habe ich in Bremen verbracht, Freund*innen getroffen, Aikido gemacht, bin Rennrad gefahren, habe abends oft mit Peter, in dessen schönem Ökohaus in Lilienthal ich untergekommen bin, gekocht und gequatscht und die Freiheiten des Rentnerlebens genossen. Selten habe ich mich in meinem Leben so willkommen und wohl gefühlt.
Dementsprechend ist mir der erneute Aufbruch nicht leicht gefallen. Nach wie vor ist meine Abenteuerlust überdeckt von unangenehmen Gefühlen. Angst vor Einsamkeit, Angst vor Stressmomenten, Angst, mein Tun, mein Erleben, die Begegnung mit mir selbst nicht genießen zu können.
Aufgrund des Krieges im Iran scheidet eine Reise dorthin aus. Die Hoffnung mag ich jedoch noch nicht aufgeben. Vielleicht klappt es nächstes Jahr. Doch auch Zentralasien, von Uzbekistan nach Pakistan, lockt mich nicht genug. Zu fremd, zu weit, komplizierte Anreise. Langsam wächst die Lösung: ich drehe eine Schleife durch Nordeuropa. Es ist Frühling, Sommer und Herbst, keine Formalitäten, ich kann nach Bremen zurückkehren und nächstes Jahr erneut schauen.
Die Vorbereitungen schleppen sich dahin und sind nur wenig von Vorfreude geprägt. Eine schwere, dunkle Wolke hängt über mir. Eine bekannte Gemütslage. Jedoch kein Vergleich mit der Lage vor eineinhalb Jahren, als ich im Herbst gen Süden aufbrach, Ziel Bremen in sieben Jahren. Oder so.
Der Wandel kommt, als ich meine Fährüberfahrt nach Island, einem Traumziel von mir, buche. Lust und Vorfreude zeigen sich, klar, auch Bedenken. Das Wetter! Doch ich komme in Schwung. Nur einmal, wenige Tage vor meiner Abreise, falle ich in ein Loch, morgens kurz, das Loch der Verlorenheit. Mit Annahme löst es sich wieder auf.
Mittwoch will ich los, gönne mir dann aber doch noch einen gemütlichen Tag in Lilienthal. Vorzubereiten gibt es noch genug und langsam steigt die Spannung. Wie immer, wenn ich nach mehrtägigen Pausen wieder aufbreche, bin ich ziemlich aufgeregt. Doch kaum auf dem Rad legt sich das. Entspannt rolle ich gen Norden, auf kleinen Sträßchen, meist asphaltiert, teilweise Schotter, mal ein kleines Stück tiefer Sand.
An der Oste stoße ich auf eine Deichbaustelle. Alles abgesperrt. Ein Bauarbeiter meint, ich könne es mal über den Acker probieren. Da wäre schon einer lang. Er wisse jedoch nicht, ob man wieder auf die Straße komme. Über ne huckelige Wiese, durchs Gestrüpp und zwei Bohlen über einen Graben komme ich zur Straße - zumindest fast. Davor ist noch ein tiefer Graben. Also erstmal den entlang. Ein weiterer Graben zweigt ab und ich kann nur in die völlig falsche Richtung. Da sehe ich den anderen Radler in der Ferne. Er hat eine geeignete Querung gefunden. Ich hole ihn ein. Zusammen erreichen wir einen Weg. Jen ist Däne und auf dem Weg von Albanien nach Hause. Er braucht ne Pause und so verabschiede ich mich.
Vor der Elbfähre muss ich noch zehn Kilometer an einer Bundesstraße lang. Nervig. Die lange Schlange der wartenden Autos beeinträchtigt mich nicht. Auf der Nordseite wird es wieder einsam und hübsch und ich erreiche einen kleinen Campingplatz beim Fährhaus Hodorf am Flüsschen Stör.








