#039 - Georgien (Teil 7, von Tbilisi nach Omalo)
5. September 2025: Omalo
Draußen sieht es grau, kalt und ungemütlich aus. Ich mag nicht aufstehen, bin enttäuscht vom schönen Tuschetien. Ich fühle mich eingesperrt. Wie soll ich bei dem miesen Wetter über den Pass zurückkommen? Mein Kopf sagt zwar, ich kann mich jederzeit mitnehmen lassen. Doch an meiner Gefühlslage ändert das wenig.
Irgendwann raff ich mich auf und frühstücke. Sehr lecker. Echtes Omelett. Warmer Haferbrei und Anderes. Langsam kommt die Sonne durch. Gen zwölf zieh ich los, schau mir den Ort und die Burg an und wandere zu einem Aussichtspunkt. Doch ganz schön hier. Sehr schön sogar.
Nur richtig in Verbindung bin ich nicht. Zunehmend komme ich in Kontakt mit der Schwere. Ist das etwa Einsamkeit? Hm, ja, das könnte passen. Die Wahrnehmung reift, ich fühle mich ganz furchtbar einsam. Trauer zeigt sich. Ich weine etwas. Das löst und ich kann mein Sein hier besser genießen. Ich habe Lust, die Gegend zu erkunden und kann mir sogar vorstellen, über den Pass zurück zu radeln.
Zurück im Guesthouse empfängt mich Natia, die Wirtin, mit Kuchen und Tee und wir haben ein schönes Gespräch. Ich lese im Pavillion. Eine Reisegruppe, mittelalte Männer und eine junge Frau, offensichtlich bekannt mit Natia, kommen an. Bier und Wodka wird aufgetischt. Khinkaliberge kommen dazu. Levan, Anwalt und gut englisch sprechend, lädt mich dazu. Nette Runde. Er kennt den Kaiser Friedrich, eine Kneipe in Bremen. Fußball-WM 2024 (oder so). Anders als heute morgen, als ich vom Nachbartisch einen Chacha eingeschenkt bekam, sage ich jetzt nicht nein und bin bald bedüdelt. Ich finde Gefallen an den zugewandten Trinksprüchen für Verstorbene und Anwesende. Die meisten haben bald einen Alkoholglimmer um die Nase. Ich wahrscheinlich auch.
Sechs Nächte werde ich bleiben. Das Wetter ist recht wechselhaft die Zeit über. Sonne, Wolken, Gewitter. Auch gesundheitlich bin ich nicht voll auf dem Damm. Leicht kränklich, etwas Hustenreiz, Kurzatmigkeit bei leichten Anstrengungen. So lasse ich es ruhig angehen, mache Ausflüge in und um Omalo und in Dörfer und Täler der Umgebung. Oder erhole mich im gemütlichen Guesthouse.













