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#038 - Georgien (Teil 6, Tbilisi)

Am dritten Tag in Tbilisi hänge ich in einem Loch fest. Es fühlt sich dumpf und schwer ein. Was mache ich hier? Worauf habe ich Lust? Was muss ich tun, um Spaß zu haben? Was ist der Sinn meiner Reise? Ich spüre es nicht.

Es ist nicht nur mangelnde Motivation. Das Loch ist tiefer. Mit Hilfe von körperlich-emotionalen Methoden, die ich erlernt habe, versuche ich in mich zu schauen. Es gelingt mir, die Wächter wahrzunehmen, die mich vor einem tiefen Schmerz schützen. Kolossale Kerle. An denen ist kein Vorbeikommen. Ich nehme sie an. Sie haben mein Innerstes geschützt, mir das Leben gerettet.

Sie werden etwas weicher, durchlässiger. Erlauben einen Blick darunter. Dort ist nur Schmerz und Todesangst. Ich kann diese Angst körperlich wahrnehmen. Sie ist berechtigt. Ich habe sie durchgestanden als hilfloser Säugling. Ich habe mich fürs Weiterleben entschieden, wenn auch zwischen massiven Mauern. Raum für Freude, Sinn gab es keinen. Es ging ums nackte Überleben.

Jetzt fühlt sich das Leben bleiern an und schwer. Kleine Schritte sind mühevoll.

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