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#074 – Norwegen: Von Bodø über die Lofoten, Vesterålen und Senja nach Tromsø

4. September 2026: Von Björnskinn zum Ballesvikskaret-Pass, Senja

Weder die versprochene Sonne, noch der Sturm sind eingetreten. Es ist trüb, feucht, kalt und windstill. Ich habe viel Zeit für die sechzig Kilometer bis Andenes, dem Fährhafen rüber auf die nächste Insel: Senja. Die Fähre fährt erst um fünf. Zudem bin ich früh wach und putzmunter wie selten. Ich vermute, das liegt daran, dass es immer früher dunkel wird und mich auch die Müdigkeit früher anfällt.

Um neun komm ich los. Der Wind wird stärker. Ich brauche Handschuhe. Mir fallen Hinweisschilder an den Parkplätze und -buchten entlang der Straße auf: "Rocket Launch". Die Plätze sollen bis heute, 9:30 Uhr verlassen werden. Es ist schon nach zehn.

Zuerst denke ich, sie wollen Felsen oberhalb der Straße sprengen. Dann besinne ich mich auf meine Englischkenntnisse. Raketenstart? Echt jetzt? Ich biege um einen Felsen und tatsächlich steht sie da, etwa zwanzig Meter hoch. Drumrum passiert nicht viel. Ich werde auch nicht von der Straße vertrieben. Vielleicht ist der Wind zu stark? Vielleicht sind die Schilder auch nur eine PR-Maßnahme? In Andenes gibt es ein Forschungszentrum: "Andøya Space Visitor Center". Zwei Tage später berichtet tagesschau.de von dem Start.

Bis dahin muss ich noch gewaltig gegen den Wind ankämpfen. An der Steilküste ist er unberechenbar. Um einen Felsen muss ich sogar schieben. Fünfzig Meter weiter ist wieder Ruhe im Karton.

Vor der Fähre treffe ich Mara mit ihrem Bulli wieder. Sie gewährt mir Unterschlupf, denn es gibt keinen Warteraum. Der Wind ist eisig. Und das Café in Andenes schließt um drei - zwei Stunden vor der Abfahrt.

Die Überfahrt ist ein Elend. Das Schiff schaukelt und kracht in die Wellen. Der Horizont kippt nicht nur wild hin und her, sondern verschwindet mal oben, mal unten, mal links, mal rechts aus meinem Blickfeld. Ich hänge abwechselnd an der Reeling (Leeseite!) und auf dem Klo. Sehr jämmerlich, dieses Sein. Werden im Bauch des Schiffes die Autos - und mein Rad - nicht komplett durcheinandergewürfelt bei dem Seegang? Nein, tun sie nicht. Alles bleibt komplett unberührt an seinem Platz, stelle ich bei der Ankunft fest.

In Gryllefjord angekommen scheint die Sonne ganz bezaubernd auf die eindrucksvollen Berge. Ich bin jedoch ziemlich fertig und benommen. Kann das gar nicht richtig genießen. Will nur noch in den Schlafsack. Das geschieht auf einem kleinen Pass, Ballesvikskaret, 172 Meter hoch. Schöne Aussicht. Langsam kriecht das Leben wieder in meinen gebeutelten Leib.

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