#073 – Norwegen: Von Trondheim nach Bodø
25. August 2026: Von Lektvik nach Reipå
Der dritte Tag Sauwetter in Folge. Nicht, dass mich das begeistern würde. Schließlich sehe ich bei schönem Wetter mehr von der Landschaft ohne die vielen, tiefhängenden Wolken, kann Fotos machen, werde gewärmt und nicht so eingesifft. Aber schlechte Laune bekomme ich davon nicht. Morgens im Zelt ist es eine gewisse Herausforderung, im Regen aufzustehen, zu frühstücken, einzupacken und loszufahren. Da kommt mir schon mal die Frage, mache ich gerade das, was ich will?
Doch habe ich mich dann aufgerafft und trete in die Pedale, fühle ich mich wohl und habe Spaß. Ich bin selbst etwas verblüfft. Früher hat mir schlechtes Wetter im Urlaub meist schlechte Laune gemacht. Davon bin ich jetzt weit entfernt. Zum Teil beruht das, so glaube ich, darauf, dass ich viel mehr Zeit habe. Ich muss nicht knappe Urlaubszeit nutzen, sondern kann schlechtes Wetter auch einfach aussitzen. Oder einfach mal gucken, wie es mir damit geht, mich dem schlechten Wetter auszusetzen.
Und ich merke: is gar nich so schlimm. Das zu erfahren, stärkt für sich schon, und das durchaus ungemein. Ängsten und Sorgen wird der Boden entzogen. Es ist wie mit anderen Ängsten: ohne aufgesetzte Angstgefühle ist die reale Gefahr nicht mehr so groß. Manchmal nur ne Maus. Und gar nicht mehr das Problem. Im Gegenteil können dahinter neue Qualitäten erscheinen. Zum Beispiel mit der Natur verbunden zu sein, mich nicht vor ihr schützen zu müssen, stark genug zu sein. Stärkende Gefühle eben.
Heute muss ich erstmal mein Rad den Matschweg von der Bucht zur Straße hochschieben. Eine wahre Schlammschlacht. Es hat nachts offenbar nochmal einiges geregnet. Weitsichtig hab ich meine Trekkingsandalen angezogen. So kann ich meine Füße danach in einen Bach halten und sie sind wieder sauber.
Zwei Fähren stehen heute an. Die erste über den Arhaugfjorden erreiche ich so rechtzeitig, dass ich vorher noch ne Karbonade mit Brot und Spiegelei verputzen kann. Dazu ein Becher Kaffee.
Auf der zweiten über den Glomfjorden treffe ich Benedicte und Leo aus Lyon, mit Bus und Bahn und sechs Wochen Zeit angereist, um zu den Lofoten zu radeln. Sehr sympathisch.
Mir ist nach duschen und Wäsche waschen. Also steuere ich den hübschen Campingplatz bei Reipå an. Schicke, neue Küche und Waschmaschine kostenlos.





