#069 – Der Nordwesten Islands: Vom Mývatn zum Fährhafen Seyðisfjörður
16. Juli 2026: Von Ásbyrgi nach Vesturdalur und kleine Wanderungen dort
Bis zum nächsten Campingplatz sind es nur 16 Kilometer, etwas bergauf und Gegenwind. Ich bin entspannt und nutze die Gelegenheit, mal rauszufinden, was mich innerlich so häufig antreibt und stresst. Dieses „Weiter-weiter-nur nicht-hier-Gefühl“.
Ich versuche schon länger, mich möglichst langsam und entspannt zu bewegen. Doch ein Teil von mir will schneller, weiter, fort. Und der ist sehr hartnäckig und lässt sich von den anderen Teilen nicht unterkriegen. So scheitere ich oft beim entschleunigen oder bleibe irgendwo stecken.
Beim Dahinradeln gucke ich mir diesen antreibenden Teil näher an. Wie fühlt er sich an? Was für Bilder kommen? Schnell ist da der kleine Kai, der zu seinem Papa will, ihm hinterherläuft, ihn aber nicht erreicht. Und der wartet nicht, geschweige denn, dass er zu mir kommt und mich in den Arm nimmt.
Dabei fühlt es sich so gut an, an seiner Hand zu gehen und in seiner Nähe zu sein. Er strahlt Geborgenheit und Souveränität aus. Aber ich erreiche ihn nicht, laufe hinterher und fühle mich immer einsamer, verlorener, hilfloser.
Das ist die Energie, die mich antreibt. Fühlt sich klärend, beruhigend an. Sehnsucht nach väterlicher Geborgenheit. Wie bekomme ich die? Das ist wahrscheinlich einfacher, als ich denke, eher ein empfangender Prozess. Ich nehme meinen kleinen Kai an die Hand und wir beide sind glücklich. Ansonsten gibt es nichts zu tun.
Beim Parkplatz Hljóðaklettur stelle ich mein Rad ab, begegne nochmal Carola und Sandra, die mir heimlich ein kleines Geschenk hinterlassen, und mache mich nach einer Vesperpause auf den Weg zum Rauðhólar. Die Landschaft ist phantastisch, wild aufgefaltete und aufgetürmte Basaltformationen, große Höhlen, bunte Farben, weite Blicke, unter mir die dramatisch rauschende Jökulsá. Das Wetter ist auch wunderbar, richtig warm.
Ich guck mir auch noch Karl und Kerling, zwei imposante Basalttürme direkt am Flussufer an. Der Campingplatz ist mega idyllisch. Mitten in der wunderbaren Natur. Nur für Zelte. Niemand da außer mir. Traumhafte Ruhe.


















