#066 – Westfjorde, zweiter Teil - von Ísafjörður nach nach Holmavík – und weiter bis zum Gullfoss
19. bis 27. Juni 2026: Als Regen und Sturm nachlassen, mache ich mich mit langen Etappen auf den Weg entlang dem Nordteil der Westfjorde zurück auf den Hauptteil der Insel und, bei weiterhin suboptimalem Wetter und zum Teil auf bekannten Wegen, weiter bis zum Gullfoss. Dort beginnt die Hochlandroute 35.
19. und 20. Juni 2026: Noch ein Ruhetag in Ísafjörður und weiter zum Hotel Reykjanes
Richtig verlockend mit leichtem Regen ist das Wetter nicht und so bleibe ich noch einen Tag. Auch um meine Internetseite zu aktualisieren. Die drei sympathischen Franzosen bieten mir Unterhaltung. Sie sind schon zum zweiten Mal daran gescheitert, den abgelegenen und unbewohnten Nordteil der Westfjorde zu erwandern. Zu gefährlich wegen Sturm. Sie treffen sich noch mit einer Gruppe Studierender von der Universität Bordeaux zu Wanderung auf der Snæfellsnes-Halbinsel, die Marc, der lustigste und kontaktfreudigste der drei organisiert hat.
Am Samstag ist der Himmel immer noch voller Wolken, aber etwas lichter. Es soll trocken bleiben und vor allem: weniger Wind geben. Gute Voraussetzungen, um zum nächsten Campingplatz zu radeln, stolze 135 Kilometer, überwiegend flach. Alternativ irgendwo wild zelten.
Luftlinie sind es nur rund vierzig Kilometer. Vier lange Fjorde liegen auf dem Weg.
Den ersten Fjord auswärts hab ich Gegenwind. Er ist fast angenehm, denn er hat keine Böen. So kann ich, wenn auch gemächlich, ganz entspannt dahinradeln. Ein Genuss im Vergleich zu den letzten Etappen. Landeinwärts hab ich Rückenwind und so komme ich ganz flott voran.
Die Fjordlandschaft ist beeindruckend, aber auf die Dauer auch etwas monoton. Ab und zu gibt es schöne Ausblicke. Was mein Herz erfreut sind die vielen, kleinen Feuchtbiotope entlang der Strecke. Kleine Bächlein zwischen leuchtend grünem Moos. Das Wasser plätschert und hüpft lustig die Berge hinab. Kleine Rinnsale, auch mal ein Wasserfall, der sich in vielen Stufen von den Gipfeln meerwärts bewegt. Ein Plätzchen liebevoller als das andere angelegt. So hab ich viel zu gucken und genießen.
Ich guck auch immer mal wieder aufs Wasser. Vielleicht zeigt sich ja nochmal ein Wal. Tut er nicht. Dafür liegt eine Robbe in der Gezeitenzone. Sie weiß nicht so recht, ob sie vor dem komischen Ding mit zwei Rädern fliehen soll, behält aber die Nerven. Ein Stück weiter liegen gleich mehrere, die von mir und ein paar anderen Touris überhaupt keine Notiz nehmen. Für Kaffee und Waffeln in der hübschen Kate hab ich heute leider etwas wenig Zeit.
Gegen Ende des Tages öffnet sich die Landschaft und wird flacher. Um neun erreiche ich den Campingplatz beim Hotel Reykjanes. Das hat mit seiner graufleckigen Fassade und dem rostigen Blechdach äußerlich den Charme einer Sowjetruine.
















