top of page

#056 –Prag (Tschechien, Teil 2)

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Der dritte Heiligabend, den ich in Folge alleine verbringe. Vor zwei Jahren war ich auf meiner ersten Winterradreise mit Zelt unterwegs und habe die Nacht im Zelt auf dem sturmumtosten Weyher Berg in der Lüneburger Heide verbracht. Letztes Jahr hatte ich eine Ferienwohnung in Split für eine Woche. Dort gab es Musik und viele trink- und feierlustige Menschen in den Straßen der Altstadt.

Nun also Prag. Ich will etwas die Stadt erkunden. Doch vieles hat zu, Museen, Klöster. So mache ich eine Rundtour mit der historischen Straßenbahn, hundert Jahre alt, das Rumpelding. Auf dem Hradschin steige ich aus, schwimme mit und gegen die Massen über die Karlsbrücke und stehe vor dem Banksy-Museum. Keine Ahnung, was der Kerl mit Prag zu tun hat. Rein oder nicht? Na gut, es gibt nicht viele Alternativen. Seine Werke aus aller Welt, die Art, wie er Widersprüche aufzeigt, finde ich interessant, gut und teilweise auch berührend.

Am späten Nachmittag besuche ich eine Weihnachtsmesse in der Ludmila-Basilika. Ein Versuch, der Geburt des Erlösers, auch dem in mir, einen Rahmen zu geben. Sie ist proppevoll. Ich bekomme aber noch den letzten Sitzplatz in der letzten Reihe. Der Pastor hat eine angenehme Erzählstimme. Verstehen tue ich allenfalls einzele Wörter. Der Ablauf ist kurzweilig. Richtig tief berührt mich als "Ungläubigen" die Stimmung nicht.

Meine Einsamkeitsgefühle halten sich in Grenzen. Der Angsthase in mir sagt, es könnte ja auch ein stinknormaler Tag sein. Und auf aufgesetzte oder gar gruselige Familienstimmung kann ich gut verzichten.

Das macht hungrig und ich habe mir ein koreanisches Restaurant ausgeguckt. Auch hier bekomme ich den letzten Tisch. Essen: sehr lecker. Nur Nachtisch gibt es leider keinen.

bottom of page