#039 - Georgien (Teil 7, von Tbilisi nach Omalo)
9. September 2025: Ausflug nach Shenako
Das Wetter ist ganz okay. Der Regen hat aufgehört und die Sonne kommt langsam durch. Richtig fit bin ich allerdings noch nicht. Das merke ich, als ich auf den kleinen Hügel gehe, um eine morgendliche Qi-Gong-Übung zu machen. Sofort werde ich kurzatmig, wie auch schon die letzten Tage.
Dementsprechend habe ich nicht wirklich Bock darauf, mit dem Rad nach Shenako zu fahren. Es geht fünfhundert Meter steil runter und dann wieder hoch. Auf dem Rückweg nochmal.
Eine andere Stimme sagt: wann, wenn nicht heute? Los, Kai! Nur rumhängen fühlt sich auch nicht gut an.
Aber ich bleibe mir treu. Kein Bock, also keine Aktion. Nach dem Frühstück zurück ins Bett und lesen. Da kommt die erhellende Idee: Ich könnte zu Fuß gehen. Acht Kilometer pro Strecke. Auf Fahrwegen. Und vielleicht nimmt mich auch jemand mit?
Der Fahrweg durch die Schlucht ist wirklich super steil. Mit Rad wäre das kein Spaß. Drei Autos waren hier heute schon, lese ich aus den Spuren.
Im Anstieg kommt ein Fahrzeug von hinten. Ich mag es nicht stoppen, da die Straße so steil ist. Es ist einer dieser verbreiteten geländegängigen Mitsubishi-Mini-Busse, "Delica" und muss direkt neben mir halten. Ein Rad dreht durch. Einer steigt aus, legt Hebelchen an den Vorderradnaben um, um auf Vierradantrieb umzustellen, oder so. Ich frag doch nach einem Lift und darf mitfahren.
Shenako, laut Reiseführer eines der schönsten Dörfer in Georgien, enttäuscht mich auf den ersten Blick. Etwas unordentlich, Blechdächer, kein romantisches Gesamtbild wie Dartlo. Doch dann stelle ich fest, dass es viel authentischer ist. Enge Gassen, viele hübsche Ecken und Ausblicke. Schöne Umgebung mit steilen Felszacken im Norden. Kaum Tourismus bis auf zwei, drei einfache Cafés und Gästehäuser. Frauen auf Holzterrassen, die stricken. Die ein oder andere Bausünde. Gefällt mir besser als das Bilderbuch-Dartlo. Die russische Grenze ist nah.
Auf dem Rückweg komme ich an dem an einer Traumstelle mit Aussicht abgestellten Mercedes-Camper vorbei. Das vierzig Jahre alte Schätzchen gehört Uwe und Lydia aus Leipzig. Wir kommen ins Gespräch und verstehen uns gut. Sie nehmen mich mit zurück nach Omalo. Eine abenteuerliche Kurverei auf der engen, steilen Piste.
Wir trinken einen Kaffee und verabreden uns zum Abendessen. Ich freue mich über die angenehme, interessante Gesellschaft.



















